Lachs-DNA klingt zuerst einmal befremdlich. Nach Fisch, nach Labor, nach allem, was man sich im Gesicht eher nicht vorstellen möchte. Und doch ist genau dieser Wirkstoff gerade einer der spannendsten in der modernen Hautpflege. Ich erkläre Ihnen in Ruhe, was dahintersteckt.
Was Lachs-DNA eigentlich ist
Hinter dem Begriff steckt eine Abkürzung: PDRN, ausgeschrieben Polydeoxyribonucleotide. Das sind kurze Ketten aus DNA-Bausteinen, gewonnen aus der Keimzelle des Lachses und in einem aufwändigen Verfahren gereinigt und sterilisiert.
Wichtig für das Verständnis: Es geht nicht darum, fremde Erbinformation in Ihre Haut zu bringen. Nach der Aufbereitung bleiben nur die einzelnen Bausteine übrig, so wie Ziegel aus einem abgetragenen Haus. Der Bauplan ist weg, das Material ist da. Ihre Haut nutzt es für das, was sie ohnehin gerade baut.
Lachs-DNA bringt keine fremde Information in Ihre Haut. Sie bringt Baumaterial, das Ihre Haut selbst verbaut.
Warum ausgerechnet Lachs
Die Bausteine der Lachs-DNA ähneln denen der menschlichen DNA so stark, dass Hautzellen sie erkennen und ohne Umweg verwerten können. Dazu kommt ein praktischer Grund: Der Rohstoff ist gut verfügbar, lässt sich sauber standardisieren und gilt als sehr gut verträglich.
In meinem Schulungsmaterial steht dafür ein Bild, das ich gern weitergebe, weil es so gut trifft: Lachs-DNA ist wie ein Ersatzteillager direkt für die Haut.
Was PDRN in der Haut macht
Zwei Dinge sind hier interessant. Zum einen bindet PDRN Wasser und unterstützt damit die Feuchtigkeitsversorgung in der Tiefe. Zum anderen richtet es sich an die Fibroblasten. Das sind die Zellen, die Kollagen und Elastin herstellen, also genau jene Fasern, die für Struktur und Festigkeit zuständig sind.
Kosmetisch zeigt sich das so:
- Die Haut wirkt praller und glatter, Dehydrationslinien fallen weniger auf
- Der Teint sieht frischer und gleichmäßiger aus
- Die Haut fühlt sich fester und belastbarer an
- Feine Mimiklinien wirken weicher
Was PDRN nicht ist: ein Volumenfüller. Es unterspritzt nichts und hebt nichts an. Es arbeitet an der Qualität Ihrer Haut, nicht an ihrer Form.
PN oder PDRN: der feine Unterschied
In Artikeln und auf Instagram tauchen beide Kürzel auf, oft sogar synonym. Sie meinen aber nicht dasselbe.
| PN (Polynucleotide) | PDRN (Polydeoxyribonucleotide) | |
|---|---|---|
| Anwendung | klassisch per Injektion | nadelfrei über das INFUZION System |
| Molekül | lang und schwer | kürzer und leichter, auf die zelluläre Aufnahme hin optimiert |
| Nach der Behandlung | Rötungen, Knötchen und Ausfallzeit möglich | kein Stechen, keine Knötchen, keine Downtime |
| Ergebnis | zeigt sich über Tage bis Wochen | sofortige Frische, Aufbau über Wochen |
Wie die Lachs-DNA ohne Nadel hineinkommt
Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre. Die Antwort heißt Iontophorese. Über einen patentierten Roller, den Infuzer, wird ein schwaches elektrisches Feld aufgebaut. In diesem Moment lassen sich Wirkstoffe in die Haut einschleusen, die es sonst nicht über die Hautbarriere schaffen würden. Pro Zone und Behandlung kommen dabei fünf Milliliter sterile, unvernetzte Hyaluronsäure zum Einsatz.
Für Sie fühlt sich das an wie ein kühles Gleiten über die Haut. Danach gehen Sie aus dem Studio, ohne dass man Ihnen etwas ansieht. Mehr zu den verschiedenen nadelfreien Wegen lesen Sie im Artikel Nadelfrei statt Spritze.
Nadelfrei eingebracht, 300 Euro pro Zone. Für Haut, die an Dichte und Festigkeit verloren hat.
Die fünf Wirkstoffe im Komplex
Die Lachs-DNA kommt nicht allein. Sie ist Teil eines abgestimmten Komplexes, in dem jeder Baustein eine Aufgabe hat:
- Sodium DNA, der Reparatur-Master. Unterstützt die dermale Matrix, bindet Wasser und fördert die Aktivität der Fibroblasten.
- Hyaluronsäure für intensive Feuchtigkeit und ein pralleres Hautbild.
- Glutathion, ein starkes Antioxidans. Schützt vor oxidativem Stress und sorgt für einen gleichmäßigeren Teint.
- Acetyl Hexapeptide-8, das Mimik-Peptid. Mindert das Erscheinungsbild von Mimikfältchen.
- Palmitoyl Pentapeptide-4, der Kollagen-Aktivator. Arbeitet über die Zeit an Struktur und Festigkeit.
Was Sie wann sehen
Ich halte wenig von Versprechen, die sich am Tag danach nicht halten lassen. Deshalb hier ehrlich sortiert, was wann passiert:
Für wen Lachs-DNA sinnvoll ist
Der beste Zeitpunkt ist immer dann, wenn die Haut nicht mehr aus eigener Kraft regeneriert und Bausteine von außen braucht. In der Praxis sehe ich drei typische Situationen:
- Strukturell geforderte Haut, die nach zellulärer Erneuerung verlangt, sei es durch innere Umstellungen oder durch äußere Einflüsse
- Erschöpfte Haut, die chronisch fahl und müde wirkt und ihre Selbsterneuerung verloren hat
- Reifere Haut, die an Dichte und Elastizität verliert, wenn oberflächliche Behandlungen nicht mehr ausreichen
Dazu kommen klassische Anlässe wie die Pflege nach einer intensiven Behandlung, die Zeit zwischen zwei Unterspritzungsterminen oder die Regeneration nach einem langen Sommer in der Sonne. Wie sich das in eine langfristige Strategie einfügt, lesen Sie unter Skin Longevity.
Häufige Fragen
Sprechen Sie mich darauf bitte vor dem Termin an. Bei einer bekannten Fischallergie klären wir das im Vorfeld in Ruhe und wählen im Zweifel einen anderen Wirkstoff aus dem INFUZION System. Sicherheit geht vor Ergebnis.
Nein. Die Lachs-DNA wird nadelfrei über das INFUZION System eingebracht. Es wird nicht gestochen, es entstehen keine Knötchen und keine Hämatome. Die meisten Kundinnen empfinden die Anwendung als angenehm kühl.
Die Behandlung kostet 300 Euro pro Zone. Alle weiteren Preise finden Sie in der Preisliste auf der Startseite.
Einen frischeren Teint sehen Sie meist schon nach der ersten Anwendung. Für ein Ergebnis, das bleibt, ist eine Kur sinnvoll. Wie viele Termine das in Ihrem Fall sind, bespreche ich nach der Hautanalyse mit Ihnen.
Es geht weniger um das Alter als um den Zustand Ihrer Haut. Sinnvoll wird der Wirkstoff dann, wenn die Haut sich nicht mehr aus eigener Kraft erholt. Das kann mit Mitte 20 der Fall sein oder erst deutlich später.
Kosmetikerin in Bremen-Findorff, seit 1997 in der Beauty-Branche und diplomierte Colour Stylistin der Christian Dior Visagisten-Schule. Schwerpunkte: apparative Anti-Aging-Kosmetik ohne Nadel und Permanent Make-up für Augenbrauen.