Es gibt bei mir im Studio einen Satz, den ich jedes Jahr ab Ende September höre: „Meine Creme funktioniert nicht mehr." Die Creme ist dieselbe wie im August, die Haut aber nicht. Sie steht gerade zwischen zwei Jahreszeiten, und das merkt man ihr an. Was viele dabei nicht wissen: Ein Teil dessen, was Sie jetzt im Spiegel sehen, hat mit dem Herbst gar nichts zu tun. Dazu gleich mehr.
Was im Herbst mit Ihrer Haut passiert
Der Herbst ist für die Haut kein sanfter Übergang, sondern ein Wechsel auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Drei davon sind die entscheidenden:
- Draußen wird die Luft trockener. Kalte Luft kann physikalisch weniger Wasser halten als warme. Die Haut gibt dann mehr Feuchtigkeit an die Umgebung ab, ohne dass Sie irgendetwas anders machen.
- Drinnen kommt die Heizung dazu. Erwärmte Raumluft ist der eigentliche Härtefall. In beheizten Räumen fällt die relative Luftfeuchte oft unter 40 Prozent, und darunter zieht sie der Haut spürbar Wasser.
- Die Talgproduktion geht zurück. Ab etwa 15 Grad drosseln die Talgdrüsen ihre Arbeit. Genau dieser Talg ist aber Teil des Schutzfilms, der Feuchtigkeit in der Haut hält. Weniger Talg bedeutet: Die Haut verliert schneller Wasser, ausgerechnet dann, wenn ohnehin weniger da ist.
Dazu kommt der ständige Temperatursprung: dreißig Grad Unterschied zwischen Bürowärme und Bremer Nieselwetter, mehrmals am Tag. Die feinen Gefäße in der Haut müssen dabei permanent weiten und verengen. Wer zu Rötungen neigt, sieht das im Herbst zuerst an den Wangen.
Trockene Haut im Herbst ist selten eine Frage von zu wenig Wasser trinken. Sie ist eine Frage der Barriere: Die Haut hält das Wasser nicht mehr, das sie hat.
Die Sommerrechnung kommt im Herbst
Und jetzt zu dem Teil, der mit dem Herbst nur scheinbar zu tun hat. Im September und Oktober kommen Kundinnen zu mir, die sagen: „Das ist über den Sommer alles schlimmer geworden." Meistens stimmt das, aber anders als gedacht.
Sonne macht im Moment schön. Die Bräune kaschiert Unebenheiten, die Haut wirkt gleichmäßiger, kleine Rötungen verschwinden optisch. Was UV-Strahlung in der Tiefe anrichtet, sehen Sie nicht im Juli. Sie sehen es, wenn die Bräune abklingt: Pigmentflecken treten deutlicher hervor, weil der Kontrast zum Umfeld wieder da ist. Der Teint wirkt ungleichmäßiger als im Frühjahr. Und Linien, die vorher weich aussahen, zeichnen sich schärfer ab.
Der Grund dafür liegt tiefer: UV-A-Strahlung dringt bis in die Lederhaut vor und greift dort Kollagen und Elastin an. Dieser Abbau passiert leise und über Jahre. Was Sie im Oktober im Spiegel sehen, ist nicht der Schaden eines Sommers, sondern die Summe vieler. Mehr dazu, wie Kollagen überhaupt funktioniert und was von außen wirklich ankommt, habe ich unter Kollagen und Hautalterung aufgeschrieben.
Woran Sie merken, dass die Haut umstellt
Die Zeichen sind unspektakulär, und genau deshalb werden sie oft übersehen:
- Die Haut spannt nach dem Waschen, und zwar länger als ein paar Minuten.
- Die gewohnte Pflege reicht plötzlich nicht mehr bis zum Abend.
- Der Teint wirkt fahl und matt, obwohl Sie ausgeschlafen sind.
- Make-up setzt sich in feinen Linien ab, die vorher nicht aufgefallen sind.
- An Wangen und Nasenflügeln zeigen sich Rötungen oder kleine trockene Stellen.
- Die Haut reagiert empfindlicher auf Produkte, die sie den ganzen Sommer problemlos vertragen hat.
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Wenn die Haut plötzlich auf Vertrautes reagiert, ist das kein Zufall und keine Unverträglichkeit, die über Nacht entstanden ist. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Schutzbarriere durchlässig geworden ist.
Fünf Dinge, die Sie in der Pflege ändern
- Reichhaltiger werden, aber richtig. Die Haut braucht im Herbst nicht mehr Wasser, sie braucht Fett, das das Wasser hält. Achten Sie auf Texturen mit echten Lipiden: Ceramide, Squalan, Sheabutter, pflanzliche Öle. Ein reines Feuchtigkeitsgel verdunstet bei Heizungsluft schneller, als es wirken kann.
- Milder reinigen. Der häufigste Fehler der Saison. Heißes Wasser und schäumende Reinigung lösen genau die Lipide heraus, die jetzt fehlen. Lauwarmes Wasser und eine Reinigungsmilch oder ein Öl reichen vollkommen.
- Peeling reduzieren, nicht streichen. Abgestorbene Hornzellen lassen den Teint grau wirken, aber eine gereizte Haut braucht keine zweite Baustelle. Einmal pro Woche sanft statt zweimal kräftig. Bei geröteter oder spannender Haut erst die Barriere beruhigen.
- Antioxidantien am Morgen. Vitamin C und verwandte Wirkstoffe helfen der Haut, mit dem umzugehen, was über den Sommer angefallen ist. Morgens aufgetragen ergänzen sie den Sonnenschutz sinnvoll.
- Die Luft im Raum mitdenken. Ein Hygrometer kostet zehn Euro und sagt Ihnen mehr über Ihre Hautprobleme im Winter als jeder Produkttest. Zwischen 40 und 60 Prozent relativer Luftfeuchte ist der Bereich, in dem sich die Haut wohlfühlt. Regelmäßig stoßlüften, Heizung im Schlafzimmer eine Stufe runter.
Der Fehler, den fast alle machen
Sonnenschutz. Er wandert Ende September in die Schublade und kommt im Mai wieder raus. Das ist nachvollziehbar und trotzdem der teuerste Fehler in der Hautpflege überhaupt.
UV-B, die Strahlung, die Sonnenbrand macht, nimmt im Herbst tatsächlich stark ab. UV-A nicht im gleichen Maß. Diese Strahlung ist über das ganze Jahr präsent, sie kommt durch Wolken und durch Fensterglas. Und sie ist diejenige, die Kollagen abbaut und vorhandene Pigmentflecken dunkler werden lässt.
Anders gesagt: Jeder Monat ohne Schutz kostet Sie etwas von dem, was Sie mit Pflege und Behandlungen aufbauen. Im Herbst muss es keine Sommertextur sein. Eine leichte Tagespflege mit Lichtschutzfaktor reicht für den Alltag völlig.
Wenn Sie in diesem Herbst nur eine einzige Sache umstellen: Lassen Sie den Sonnenschutz im Schrank stehen, aber auf dem Gesicht.
Warum der Herbst die beste Zeit für Behandlungen ist
Es gibt einen sehr praktischen Grund, warum in der Kosmetik der Herbst als Saison gilt, und er hat nichts mit Marketing zu tun: die UV-Belastung.
Behandlungen, die die Haut anregen und ihre Erneuerung beschleunigen, machen sie für einige Tage empfindlicher gegenüber Sonne. Im Hochsommer bedeutet das Planung, Vorsicht und im Zweifel eine Verschiebung. Im Oktober ist dieses Thema weitgehend vom Tisch. Die Haut darf in Ruhe arbeiten.
Dazu kommt der Faktor Zeit. Eine Behandlungsreihe wirkt nicht nach einem Termin, sondern über Wochen. Kollagen braucht Wochen bis Monate, bis neu gebildete Fasern sichtbar etwas verändern. Wer im September oder Oktober beginnt, hat das Ergebnis rechtzeitig zu der Zeit im Jahr, in der die meisten Fotos gemacht werden.
Und ein dritter Punkt, den ich fast am wichtigsten finde: Der Herbst ist die Jahreszeit, in der die Haut Unterstützung am dringendsten braucht. Weniger Licht, weniger Bewegung an der frischen Luft, schlechtere Durchblutung. Warum das den Teint grau werden lässt, erkläre ich unter Sauerstoff und Haut.
Was jetzt im Studio passt
Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheidet Ihr Hautbild und nicht der Kalender. Drei Richtungen sind im Herbst aber besonders sinnvoll:
Wenn die Haut vor allem Feuchtigkeit und Substanz verloren hat, arbeite ich mit dem INFUZION System. Nadelfrei, ohne Stechen und ohne Ausfallzeit. Die Variante mit Lachs-DNA gibt der Haut Bausteine, die sie als Reparaturmaterial erkennt. Wie das funktioniert, steht ausführlich unter Lachs-DNA und PDRN.
Nadelfreie Wirkstoffinfusion mit PDRN aus Lachs-DNA, ohne Stechen und ohne Ausfallzeit, 300 Euro pro Behandlung.
Wenn der Teint vor allem fahl und müde wirkt, ist der Skin OXYmizer der schnellere Weg. Sauerstoff, sanftes Peeling und Durchblutung in einer Behandlung. Das Ergebnis sehen Sie direkt danach im Spiegel, und die Haut nimmt anschließend Pflege deutlich besser auf.
Sauerstoffversorgung mit Peeling-Effekt und Fruchtsäure, etwa 50 Minuten, 150 Euro pro Behandlung.
Wenn es um Struktur geht, also um feine Linien, Poren und Festigkeit, ist jetzt das Zeitfenster für Profi Micro-Needling. Diese Behandlung setzt gezielt Reize, damit die Haut selbst neues Kollagen bildet, und sie verlangt in den Tagen danach konsequenten Sonnenschutz. Genau deshalb passt sie in die dunkle Jahreszeit besser als in den Juli.
Ehrlich dazugesagt: Keine dieser Behandlungen ersetzt, was Sie zu Hause tun. Eine Kur im Studio holt die Haut aus dem Grau heraus. Dort halten müssen Sie sie mit Reinigung, Pflege und Sonnenschutz. Beides zusammen wirkt, eines allein bleibt Stückwerk.
Häufige Fragen
Nicht zwingend eine andere, aber meistens eine reichhaltigere. Entscheidend ist der Fettanteil: Eine leichte Sommertextur schützt bei Heizungsluft und Kälte zu wenig. Wenn Ihre Haut nach dem Eincremen innerhalb einer Stunde wieder spannt, fehlen ihr Lipide.
Ja. UV-A-Strahlung ist ganzjährig da, sie geht durch Wolken und durch Fensterglas. Genau diese Strahlung ist es, die Kollagen abbaut und Pigmentflecken dunkler werden lässt. Im Herbst reicht ein leichter Schutz am Tag, aber weglassen sollten Sie ihn nicht.
Weil die UV-Belastung sinkt. Behandlungen, die die Haut anregen und für ein paar Tage empfindlicher machen, lassen sich jetzt viel entspannter planen als im Hochsommer. Dazu kommt: Eine Kur braucht mehrere Wochen. Wer im Herbst anfängt, sieht das Ergebnis pünktlich zur Weihnachtszeit.
Dann ist meist die Hautbarriere gestört, und die Creme liegt nur oben auf. Häufigste Ursachen: zu heißes Wasser, zu scharfe Reinigung und zu häufiges Peelen. Erst die Barriere beruhigen, dann aufbauen. Bei der Hautanalyse sehen wir schnell, woran es liegt.
Kosmetikerin in Bremen-Findorff, seit 1997 in der Beauty-Branche und diplomierte Colour Stylistin der Christian Dior Visagisten-Schule. Schwerpunkte: apparative Anti-Aging-Kosmetik ohne Nadel und Permanent Make-up für Augenbrauen.